Artikel
|
Die Wetterfrösche aus dem Muotatal
|
Autor: ileana-soana | Besucher: 338 | Bewertung:      Um den Artikel zu bewerten, fahren Sie bitte mit der Maus über die Sterne. Wenn die Anzahl der Sterne aufleuchtet die Sie vergeben wollen, brauchen Sie nur noch zu klicken!
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Erstellt am: 15.04.2010 - 12:36:00 |
|
|
Die Kunst der Wettervorhersage. Inmitten der Berge, im Schweizerischen Muotatal, hat das Vorbestimmen des Wetters eine lange Tradition. Anhand von Mäusen, Winden, Pflanzen, Pilzen, Tannzapfen, Ameisen, Beeren und Hölzern wird dort seit dem 18. Jahrhundert das Wetter vorausgesagt, denn vor allem die Bauern waren darauf angewiesen, die Zeichen der Natur zu erkennen, um ihre Ernten und somit das Überleben zu sichern. Auch wenn heutzutage die meteorologischen Dienste rund um die Uhr ihre präzisen Wettermodelle unter das Volk bringen, die Menschen im Muotathal wollen sich nicht alleine darauf verlassen, denn wer kennt das Wetter eines Landstriches besser als die Menschen die dort leben. Ileana Soana hat die Muotathaler Wetterfrösche begleitet, sich in ihre Geheimnisse einweihen lassen und daraus ein wundervoll und aufwendig gestaltetes Buch gemacht. Ergänzt wird die Publikation durch einen Essay des Journalisten Lukas Walde und einem Beitrag des Meteorologen Eugen Müller, der über die Geschichte der wissenschaftlichen Wettervorhersage in der Schweiz und von den aktuellen Wettermodellen heutiger Wissenschaft berichtet.
Wer zum Meteorologischen Verein Innerschwyz gehört, wissen die Eidgenossen ebenso wenig wie die Deutschen oder Österreicher. Aber dass es sich bei diesem Buch auch um eine Hommage an die bekannten Wetterpropheten aus dem Muotathal handeln könnte, vermuten bestimmt etliche Schweizer der älteren Generation. So viele aktive Wetterfrösche, wie der Verein Mitglieder zählt, gibt es allerdings nicht. Aber wer jährlich den Gegenwert von zehn Schweizerfranken einbezahlt, erhält nicht nur alle sechs Monate die Prognosen der Propheten zugeschickt, sondern ist auch Teil einer Gemeinschaft, die über unsere Landesgrenzen hinaus für Aufsehen sorgt.
Was dieser spezielle Verein will, geht aus den Statuten von 1947 hervor, wobei die Handschrift des damaligen Aktuars natürlich "übersetzt" wird. Damit weiß der Leser auch gleich, dass es hier nicht in erster Linie um ernsthafte Wissenschaft geht, sondern um "kurzfristige und langfristige Wettervorhersagen, jedoch auf humorvolle Art und Weise". Zudem machen die ersten Seiten deutlich, dass Verlag und Autorin den Muotathaler Wetterfröschen ein Denkmal setzen wollten, das so schön gestaltet ist, wie man sich einen herrlichen Tag wünscht. Die in Rumänien geborene und in Hamburg als freiberufliche Diplom-Designerin wirkende Ileana Soana zeigt in diesem Buch ihr ganzes Können. Und es würde mich nicht wundern, wenn sie auch für diese Arbeit ausgezeichnet würde.
Das Vorherbestimmen des Wetters hat im Schweizerischen Muotathal eine lange Tradition. Und um eine Prognose zu treffen, bedienten sich die Bauern so ziemlich aller Zeichen der Natur. Moderne Meteorologen mögen es noch so bescheuert finden, Mäuse, Pflanzen, Tannzapfen oder Ameisen zu beobachten, um dem Volk zu sagen, was wettermäßig auf es zukommt. Aber was die Computer berechnen, ist nicht per definitionem immer präziser als die Wettermodelle naturverbundener Menschen.
Mein Fazit: Ein wunderschön gestaltetes Buch über Menschen, die ihren eigenen Sinnen mehr vertrauen als naturwissenschaftlich erhobenen Daten. Und wer wissen möchte, wie sich die wissenschaftliche Wetterprognose entwickelte, kann dies im fundierten Beitrag von Eugen Müller nachlesen. Aber mir hat das Buch vor allem gefallen, weil es Einblicke in Lebens- und Denkweisen gibt, denen viele von uns nachtrauern und die auch in der heutigen Zeit noch ihre Berechtigung haben.
Über den Autor: Ileana Soana, geboren 1981in Mühlbach (Rumänien) studierteGrafik Design an der FachhochschuleMünster. Seit 2006 betreibtsie ihr eigenes Büro in Hamburg.Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehtdie Gestaltungvon Büchern.
|
|
|
|
|
|